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Vortrag über ADS: 'Wenn Kinder sich ereignen'

Ahaus - 19.10.2005 -"Gesundheit im Dialog" ist der Titel einer Veranstaltungsreihe der AOK, die über verschiedenen Themenschwerpunkte durchgeführt wird. Zum Auftakt dieser Reihe sprach gestern Dr. Matthaei vom SPATZ (Sozial-Pädiatrische Ambulanz- und Therapiezentrum) aus Meppen über das Thema "ADS - Wenn Kinder sich ereignen". Im vollbesetzten Vortragsraum der Sparkasse Westmünsterland konnten Eltern - zumeist die Mütter waren gekommen - und Erzieherinnen den interessanten Referenten auch während seines Vortrages viele Fragen stellen.

Im wesentlichen versuchte Dr. Matthaei klarzustellen, dass ADS (das sog. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) keine Krankheit ist, sondern eine genetische Veranlagung. Diese ist also nicht erlernt oder erworben, sondern von Geburt an festgelegt. "Ein bisschen ADS haben wir alle", so Dr. Matthaei (im Bild). Aber die ADS-Kinder von heute leben eben nicht mehr auf dem Bergbauernhof mit gesundem Sozialgefüge, sondern in einer industriealisierten Zeit mit viel Reizüberflutung und besonderen Leistungsanforderungen. Schluss machte Dr. Matthaei auch mit dem Aberglauben, dass entsprechende Medikamente mit dem Wirkstoff Ritalin (Ritalin, Medikinet etc.) die Kinder abhängig machen würden oder im späteren Leben sogar Krankheiten wie die Parkinsonsche Krankheit auslösen könnten. Matthaei: "Wir haben mit Ritalin seit 60 Jahren sehr gute Erfahrungen beobachten können". Dieser Wirkstoff hilft den Kindern einfach über einen gewissen Zeitraum - abhängig vom Medikament und der Dosierung - ihre Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen. Das Medikament kann auch meistens in den Ferien oder an Wochenenden abgesetzt werden. Der angeborene Mangel ist im Wesentlichen auf eine verminderte körpereigene Herstellung von Dopaminbotenstoffen zurückzuführen. Dies ist auch eine Erkenntnis, die es wissenschaftlich erst seit zwei Jahren gibt. Neue Medikamente wie z.B. Strattera aus den USA sind dagegen noch sehr neu und es gibt noch wenige Untersuchungen zu Nebenwirkungen, obwohl gerade diese Medikament eine vielversprechende 24-Stunden-Wirkungen nach etwa 6 Monaten entwickelt.

Dr. Matthaei empfielt daher, erst die Wirksamkeit der bekannten Medikamente zusammen mit den Fachärzten zu prüfen, bevor man von diesem neuen Medikament Wunder erhofft. Nach Abschluss seines Vortrages konnten die Zuhörer/-innen noch viele individuelle Fragen stellen, die Dr. Matthaei professionell beantwortete, ohne Ferndiagnosen zu stellen. Insgesamt war dies ein lebhafter und guter Vortrag, dessen Interesse man an der Zahl der Zuhörer messen konnte. Schade ist nur, dass es hier im Ahauser Raum keine Fachärzte gibt, die sich mit dem Thema ADS beschäftigen - dazu müssen die Mütter mit ihren Kindern nach Coesfeld, Borken, Gronau, Nordhorn oder noch weiter fahren, was bei länger andauernden Diagnose- und Therapiesitzungen wirklich problematisch ist.

Der Kontakt zu Dr. Matthaei ist möglich über:
SPATZ im Ludmillenstift Meppen
CA Dr. Matthaei
Ludmillenstr. 4
49716 Meppen
Tel: 05931-152-1730
spatz@ludmillenstift.de

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